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    Mark Constantine

Business Underdogs

Mark Constantine
Unternehmer mit Gewissen

Mark Constantine
Unternehmer mit Gewissen

Das Faszinierende an bahnbrechenden Unternehmern ist, dass sie oft dem klassischen Klischee widersprechen. Mark Constantine, Mitbegründer der Kosmetikmarke Lush, ist eher der Antiheld einer Unternehmensgeschichte mit Happy End. Ein sympathischer Exzentriker, der das Leben leichtnimmt und dennoch unbeirrbar für seine Überzeugungen einsteht.

Seine Philosophie: »Ich bin Optimist, manchmal sogar Utopist, das ist meine Basis.« Eine Basis, auf der er und seine Mitstreiter ein Unternehmen gründeten, das die Welt ein kleines Stückchen besser macht.

Der Mut zum Scheitern

Der Mut zum Scheitern

Die Erfolgsgeschichte von Lush beginnt mit einer Pleite. Die erste Geschäftsidee von Mark Constantine funktioniert großartig, scheitert aber an den unerfahrenen, jungen Gründern. Als gelernter Friseur und Trichologe, ein Experte für die Ursachen und Behandlung von Haarausfall, entwickelte Constantine natürliche Haarpflegeprodukte. Diese verkauften er und seine Geschäftspartner an den Kosmetikhersteller The Body Shop. Der Absatz lief so gut, dass ihnen Anita Roddick, Geschäftsführerin des Body Shop, die Rechte an den Kreationen für 9 Millionen Pfund abkaufte.

Den Millionengewinn nutzte das Gründerteam um Mark Constantine als Startkapital für ein neues Unternehmen: Cosmetics to go, einen Mailorder-Versand. Das Geschäft lief großartig. Doch Cosmetics to go bot die hochwertigen Pflegeprodukte so günstig an, dass jeder Verkauf zu einem Verlustgeschäft wurde. Nach wenigen Jahren war der Versand trotz hoher Umsätze insolvent.

Ein Tiefschlag, der zu einer wichtigen Erfahrung wurde. Nach kurzer Zeit berappelten sich Mark Constantine und seine Frau Mo und hoben mit fünf Mitstreitern »Lush Fresh Handmade Cosmetics« aus der Taufe: frische, handgemachte Kosmetik ohne Tierversuche. Ein Konzept, dass der Entwicklung der Branche um Jahre voraus war und heute genau den Nerv der Zeit trifft.

Das Scheitern der ersten Geschäftsidee vor mehr als 25 Jahren ist bei Lush weiterhin spürbar. Und das im positiven Sinne. Eine offene Fehlerkultur und die Auffassung, dass es nicht schlimm ist zu scheitern, sind ein essenzieller Teil der Unternehmensphilosophie.

Ein weiterer bleibender Lerneffekt ist die Überzeugung, dass hervorragende Produkte ihren Preis haben. Lush gesteht sich zu, Gewinn zu machen. Denn sie wissen, dass ihr Angebot es wert ist.

Leidenschaft für großartige Produkte

Leidenschaft für großartige Produkte

»Lush«, ein eingängiger Name, der im Englischen so viel wie üppig, prächtig, reichhaltig oder großartig bedeutet. Mit weniger Pathos gaben sich die Unternehmensgründer nicht zufrieden. Und verloren nie den Willen und die Überzeugung, diese Buzzwords in die Tat umzusetzen.

Der Einkauf in einem Lush-Shop: ein Erlebnis. Produkte in schreiend bunten Farben, die entdeckt werden wollen. Mannigfaltige Düfte, die den Laden schon aus der Entfernung »erriechbar« machen. Und ein Ladenkonzept, das einer Idee des verrückten Hutmachers aus »Alice im Wunderland« entsprungen sein könnte.

Es macht Spaß, bei Lush einzukaufen. Die Shops sind ein Abenteuerspielplatz der Optik, Haptik und olfaktorischen Genüsse. Ein Theater der Sinne. Und auch die Akustik kommt nicht zu kurz. In einigen Shops hören die Kunden ein dezentes Vogelgezwitscher. Aufnahmen, die Mark Constantine als begeisterter Hobby-Ornithologe bei seinen frühmorgendlichen Vogelkunde-Touren sammelt. Herrlich spleenig.

Parallel zum Fun-Konzept führen Mark Constantine und seine Mitgründer ein Unternehmen mit Rückgrat: keine Tierversuche, ökologisch nachhaltige Zutaten und konsequente Müllvermeidung gehören zu den Prinzipien von Lush. Ihr Engagement geht weit über das Wohl des Unternehmens hinaus. Sie setzen sich für Menschenrechte ein, reisen um die Welt, um die Bedingungen für Zulieferer vor Ort zu verbessern, beteiligen sich an Umweltschutzmaßnahmen, unterstützen Hilfsorganisationen und initiieren Protestaktionen.

Die Leidenschaft für Kosmetik ist übrigens den Firmengründern von Lush nicht abhandengekommen. Constantine und mehrere seiner Mitgründer, allesamt heute Selfmade-Millionäre, sind weiterhin in der Produktentwicklung und -optimierung aktiv. Und steht ein Interview für den YouTube-Kanal von Lush an, genießt es Mark Constantine, die Rolle des Interviewers hochpersönlich zu übernehmen.

Spaß und Verantwortung reichen sich die Hand

Spaß und Verantwortung reichen sich die Hand

Spaß und Verantwortung – zwei Ideale, die Mark Constantine von ganzem Herzen vertritt. Er ist ein Idealist, der sich voller Überzeugung an die Spitze gearbeitet hat. Dabei ist er alles andere als ein karriereversessener Konzernchef. Er attestiert Unternehmern sogar mehrheitlich eine psychische Störung. Sie seien Getriebene, jeder aus eigenen persönlichen Gründen. Treibende Kraft bei Constantine waren seine schwierigen Familienverhältnisse, die ihn in seiner Jugend in die Obdachlosigkeit trieben, und der Unwille, sich unterzuordnen.

Ähnlich wie bei Steve Jobs hätten diese Voraussetzungen ihm eine gescheiterte Existenz bescheren können. Mark Constantine aber hat es geschafft, aus den Steinen auf seinem Weg eine solide Straße zu bauen, bemalt in bunten Farben.

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